Kurz beantwortet: Wer heute noch JTL-Wawi 1.10 oder älter einsetzt, arbeitet mit einer Version, die JTL nicht mehr in der Liste der unterstützten Produktversionen führt. Unterstützt sind laut JTL-Guide (Stand 6. Oktober 2026) nur noch JTL-Wawi 2.1, 2.0 und 1.11. Ein direkter Sprung von 1.x auf 2.1 ist nicht möglich: Sie müssen zuerst auf 2.0.x aktualisieren und erst danach auf 2.1. Die härtere Frist steckt oft im SQL Server darunter. SQL Server 2016 ist seit dem 15. Juli 2026 aus dem Microsoft-Support, SQL Server 2017 folgt am 13. Oktober 2027, und JTL unterstützt keine SQL-Version über das Microsoft-Supportende hinaus.
Das Wichtigste in Kürze
- Unterstützte JTL-Wawi-Versionen (Stand 6.10.2026): 2.1, 2.0 und 1.11. Alles ab 1.10 abwärts steht nicht mehr auf der Liste.
- Pflicht-Zwischenschritt: Von einer Version unter 2.0 geht es nur über 2.0.x auf 2.1 oder höher.
- SQL Server 2016: Microsoft-Support beendet am 15.07.2026. SQL Server 2017: Ende am 13.10.2027.
- Die kostenlose SQL Server Express Edition ist bis Version 2022 auf 10 GB pro Datenbank begrenzt, ab SQL Server 2025 auf 50 GB.
- Den Zeitpunkt bestimmt in der Praxis meist nicht die Wawi, sondern Datenbankserver, Shop-Connector und Kassensystem.
Welche JTL-Wawi-Versionen JTL noch unterstützt
JTL pflegt im JTL-Guide eine Seite mit den unterstützten Produktversionen. Für JTL-Wawi und das Lagermodul WMS stehen dort zum Stand 6. Oktober 2026 genau drei Versionen: 2.1, 2.0 und 1.11. Ein festes Enddatum für 1.11 nennt JTL nicht. Der entscheidende Satz auf der Seite lautet sinngemäß: Anpassungen nimmt JTL nur für die dort gelisteten Versionen vor.
Für den Betrieb heißt das: Eine Wawi 1.8 oder 1.10 läuft weiter, sie wird aber nicht mehr angepasst. Ändert ein Marktplatz seine API, stellt ein Versanddienstleister eine Schnittstelle um oder kommt eine neue Rechtsvorgabe, bekommen Sie den Fix nur noch in einer unterstützten Version. Genau so ist es mit der DHL-Anbindung gelaufen: Die Umstellung auf DHL Versenden 4.0 ist in 2.0 integriert, in der 1.x-Linie kam sie laut JTL-Changelog erst mit 1.11.10 als stabile Funktion.
Seit März 2026 ist JTL-Wawi 2.0 als stabile Version verfügbar. Technisch basiert 2.0 nach Angaben mehrerer JTL-Servicepartner auf .NET 8 statt auf dem bisherigen .NET Framework 4.8. Das ist kein kosmetisches Update. Eigene Erweiterungen, Skripte und Zusatzprogramme von Drittanbietern sollten Sie deshalb vor dem Wechsel gezielt prüfen.
Warum Sie nicht direkt auf 2.1 springen können
Der JTL-Guide zur Aktualisierung (Stand 15. September 2026) ist hier eindeutig: Von einer Version unter JTL-Wawi 2.0 können Sie nicht direkt auf 2.1 oder höher updaten. Der Weg führt immer über 2.0.x. Im Release-Thread zu 2.1 im JTL-Forum (eröffnet am 14. September 2026) bezeichnet JTL diesen Zwischenschritt für Versionen unter 2.0.0 als zwingend.
Das bedeutet zwei Datenbank-Updates statt einem. Jedes davon läuft über den Update-Assistenten, und JTL weist selbst darauf hin, dass das je nach Datenbankgröße und Zahl der Mandanten länger dauern kann. Vor jedem Update legt JTL-Wawi automatisch eine Datenbanksicherung an. Prüfen Sie vorher, ob auf dem Laufwerk für diese Sicherungen genug Platz ist. Bei zwei Updates hintereinander liegen dort schnell zwei vollständige Sicherungen.
Die eigentliche Frist steckt im SQL Server
JTL-Wawi speichert alles in einer Microsoft-SQL-Server-Datenbank. Auf der Versionsseite schreibt JTL klar: SQL-Server-Versionen werden nicht über das Supportende durch Microsoft hinaus unterstützt. Damit erbt Ihre Wawi die Microsoft-Fristen.
| SQL-Server-Version | Microsoft-Supportende | Status bei JTL | Was das für Sie heißt |
|---|---|---|---|
| 2014 | Juli 2024 | nicht mehr gelistet | sofort handeln |
| 2016 | 15.07.2026 | nicht mehr gelistet | sofort handeln, Sicherheitsupdates nur noch über kostenpflichtige ESU |
| 2017 | 13.10.2027 | unterstützt | Wechsel in den nächsten 11 Monaten einplanen |
| 2019 | 09.01.2030 | unterstützt | kein Zeitdruck, Express-Grenze prüfen |
| 2022 | 12.01.2033 | unterstützt, von JTL empfohlen | kein Zeitdruck, Express-Grenze prüfen |
| 2025 | 07.01.2036 | unterstützt | Express bis 50 GB |
Quellen: JTL-Guide „Unterstützte Produktversionen“ (Stand 06.10.2026), Microsoft-Lifecycle-Seite zu SQL Server 2016.
Für SQL Server 2016 bietet Microsoft Extended Security Updates (ESU) an, das erste ESU-Jahr läuft bis 13. Juli 2027. ESU sind kostenpflichtig und lösen das Problem nur auf Microsoft-Seite. Auf der JTL-Liste steht SQL Server 2016 trotzdem nicht mehr. Für einen kleinen Händler ist ESU deshalb selten sinnvoll. Das Geld steckt man besser in eine aktuelle SQL-Version.
Die 10-GB-Grenze der Express Edition
Viele kleinere JTL-Installationen laufen auf der kostenlosen SQL Server Express Edition. Bis einschließlich SQL Server 2022 ist dort eine einzelne Datenbank laut Microsoft auf 10 GB begrenzt, dazu kommen maximal ein Sockel oder vier Kerne und 1.410 MB Arbeitsspeicher für den Pufferpool. Mit SQL Server 2025 hat Microsoft die Datenbankgrenze der Express Edition auf 50 GB angehoben, CPU- und RAM-Grenze sind gleich geblieben.
Wenn Sie ohnehin den SQL Server wechseln müssen, ist das der Moment, auf diese Grenze zu schauen. Eine Datenbank mit 8 oder 9 GB auf SQL Express 2019 oder 2022 läuft heute, ist aber nach dem nächsten Wachstumsschub voll. Wer auf eine Express-Version wechselt, sollte deshalb SQL Server 2025 Express ernsthaft prüfen, weil sie den Puffer verfünffacht, ohne dass Lizenzkosten für eine Standard Edition anfallen. Ob Ihre Wawi-Version auf 2025 freigegeben ist, prüfen Sie vorher auf der JTL-Versionsseite.
Welcher Weg zu Ihrer Ausgangslage passt
Die meisten Fragen im JTL-Forum drehen sich um dieselbe Unsicherheit: Muss ich jetzt sofort, oder reicht nächstes Jahr? Das hängt an zwei Dingen, Ihrer Wawi-Version und Ihrem SQL Server.
- Wenn Sie auf 1.10 oder älter sind und SQL 2016 oder älter nutzen: Beides ist außerhalb des Supports. Erst den SQL Server aktualisieren, dann Wawi über 2.0.x auf 2.1. Das ist kein Projekt für das Weihnachtsgeschäft, also entweder bis Mitte November abschließen oder bewusst auf Januar legen.
- Wenn Sie auf 1.10 oder älter sind, der SQL Server aber 2019 oder neuer ist: Die Datenbank ist kein Engpass. Planen Sie das Wawi-Update über 2.0.x in einem ruhigen Monat, idealerweise im ersten Quartal 2027.
- Wenn Sie auf 1.11 sind: Sie sind noch unterstützt, aber auf der letzten 1.x-Version ohne angekündigtes Enddatum. Kein Grund zur Eile, aber auch kein Grund, die Planung auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Prüfen Sie zuerst die SQL-Version.
- Wenn Sie auf 2.0 sind: Das Update auf 2.1 geht direkt. Hier lohnt es, die Release-Notes auf Änderungen an Ihren Verkaufskanälen zu lesen und dann zeitnah nachzuziehen.
- Wenn Sie SQL Server 2017 nutzen, egal mit welcher Wawi: Ihr Stichtag ist der 13. Oktober 2027. Ein SQL-Wechsel zusammen mit dem Wawi-Update spart einen zweiten Wartungstermin.
Rechenbeispiel: Wie viel Zeit bleibt für SQL Server 2017?
Nehmen wir einen Onlinehändler mit JTL-Wawi 1.10 auf SQL Server 2017 Express, Datenbank 7 GB, zwei Verkaufskanäle (eigener Shop und ein Marktplatz). Heute ist der 27. Oktober 2026, der Microsoft-Support für SQL Server 2017 endet am 13. Oktober 2027. Das sind rund 50 Wochen.
Ziehen Sie davon ab, was im Handel ohnehin nicht geht: November und Dezember (Black Friday, Weihnachten) fallen als Wechselzeitraum aus, das sind etwa 9 Wochen. Ebenso sollte das Update nicht in den Wochen vor dem nächsten Herbstgeschäft liegen, also nicht nach Ende August 2027. Damit bleibt ein realistisches Fenster von Januar bis August 2027, rund 35 Wochen.
Ein sinnvoller Plan innerhalb dieses Fensters sieht so aus (die Dauern sind Planungswerte, keine JTL-Vorgaben):
| Schritt | Zeitraum | Inhalt |
|---|---|---|
| 1. Bestandsaufnahme | Januar 2027 | Wawi-Version, SQL-Version, Datenbankgröße, Connector-Versionen, Zusatzprogramme, Kassen |
| 2. SQL-Server neu | Februar 2027 | neue SQL-Instanz (z. B. 2025 Express mit 50 GB Grenze), Datenbank umziehen, Backup testen |
| 3. Testkopie | März 2027 | Kopie der Datenbank auf 2.0.x und dann 2.1 heben, Abgleich mit Shop und Marktplatz testen |
| 4. Produktiv-Update | April 2027 | Update an einem Wochentag mit wenig Bestellungen, beide Schritte am selben Termin |
| 5. Puffer | Mai bis August 2027 | Nacharbeit, Fehler aus Schritt 4, Reserve |
Der Puffer wirkt großzügig. In der Praxis wird er aber oft gebraucht, weil Shop-Plugins oder Zusatzprogramme erst nachgezogen werden müssen. Wer das Update stattdessen im September 2027 beginnt, hat bei einem Problem keinen Spielraum mehr.
Checkliste vor dem Update
- Wawi-Version im Programm nachsehen und mit der JTL-Liste der unterstützten Versionen abgleichen.
- SQL-Server-Version und Edition (Express oder Standard) feststellen, Datenbankgröße notieren.
- Alle Verkaufskanäle auflisten: JTL-Shop, Shopware, WooCommerce, Marktplätze. Für jeden Connector die Freigabe für 2.0 und 2.1 prüfen.
- Zusatzprogramme, eigene SQL-Abfragen, Workflows und Druckvorlagen erfassen, die auf die Datenbank zugreifen.
- Kassensysteme prüfen: Für JTL-POS führt JTL eine eigene Kompatibilitätsliste mit Wawi-Versionen.
- Freien Speicherplatz für zwei automatische Sicherungen schaffen und eine Rücksicherung einmal testweise durchspielen.
Typische Fehler beim Umstieg
Den Zwischenschritt überspringen wollen. Wer die aktuelle 2.1-Installation herunterlädt und auf eine 1.x-Datenbank loslässt, kommt nicht durch. Laden Sie zuerst die 2.0.x-Version aus dem Download-Archiv.
Nur die Wawi aktualisieren, den SQL Server aber vergessen. Die neue Wawi läuft auf dem alten SQL Server 2016 vielleicht noch, unterstützt ist die Kombination aber nicht mehr. Bei einem Fehler stehen Sie dann ohne Hilfe von JTL da.
Im Live-System testen. Ein Update auf einer Kopie der Datenbank kostet einen Nachmittag. Ein fehlgeschlagener Abgleich mit dem Marktplatz kostet Bestellungen. Der JTL-Guide beschreibt außerdem die Option, Mandanten einzeln oder alle gemeinsam zu aktualisieren. Bei vielen Mandanten verlängert „alle“ die Laufzeit spürbar.
Express-Grenze ignorieren. Wer von SQL 2016 Express auf 2022 Express wechselt, bleibt bei 10 GB. Liegt Ihre Datenbank schon bei 7 oder 8 GB, wechseln Sie lieber auf 2025 Express oder auf eine Standard Edition.
Lohnt sich der Wechsel weg von JTL statt des Updates?
Ein großes Versions-Update ist ein natürlicher Moment, die Systemfrage neu zu stellen. Für die meisten Händler, die mit JTL zufrieden sind, ist das Update auf 2.x aber der deutlich kleinere Aufwand als ein Systemwechsel mit Datenmigration, neuen Schnittstellen und Schulung. Ernsthaft vergleichen sollten Sie nur, wenn ohnehin strukturelle Gründe vorliegen: Sie wollen weg vom eigenen Windows- und SQL-Server-Betrieb, brauchen eine echte Cloud-Lösung oder stoßen an Funktionsgrenzen. Einen Vergleich mit einer Cloud-Alternative finden Sie in unserem Artikel JTL-Wawi vs. Xentral, weitere Anbieter im Anbieter-Verzeichnis und in der Rubrik Anbieter & Vergleiche.
Für wen sich das Update nicht lohnt: Wer den Betrieb in absehbarer Zeit aufgibt oder ohnehin innerhalb der nächsten Monate auf ein anderes System wechselt, sollte keine zwei Datenbank-Updates mehr einplanen. Dann reicht es, den SQL Server abzusichern und die Daten sauber für den Export vorzubereiten.
Meine Einschätzung: Der häufigste Fehler ist nicht das Update selbst, sondern der falsche Zeitpunkt. Wer 2016er SQL Server und Wawi 1.10 betreibt, sollte nicht bis zum nächsten Problem warten. Wer auf 1.11 mit SQL 2019 oder neuer sitzt, kann das Update dagegen in Ruhe für einen umsatzschwachen Monat Anfang 2027 planen und sollte es dann auch tatsächlich machen.
Wie Sie Release-Wechsel generell einordnen, beschreiben wir unter ERP-Update-Zyklen. Was zu einem belastbaren Sicherungskonzept gehört, steht im Artikel ERP-Datensicherheit und Backup-Konzept, und zur Prüfung der Shop-Anbindung hilft der Beitrag zur ERP-Schnittstelle zum Onlineshop. Begriffe wie On-Premise oder Mandantenfähigkeit erklärt unser Glossar.
Häufige Fragen
Läuft JTL-Wawi 1.10 nach dem Ende der Unterstützung einfach weiter?
Ja, die Software schaltet sich nicht ab. JTL nimmt aber nur noch für die gelisteten Versionen 2.1, 2.0 und 1.11 Anpassungen vor (Stand 6.10.2026). Änderungen an Marktplatz- oder Versand-Schnittstellen erreichen eine 1.10 nicht mehr.
Kann ich von 1.x direkt auf JTL-Wawi 2.1 updaten?
Nein. Laut JTL-Guide führt der Weg von Versionen unter 2.0 zwingend über ein Update auf 2.0.x. Erst danach ist 2.1 oder höher möglich.
Bis wann muss ich SQL Server 2017 ersetzen?
Microsoft beendet den Support am 13. Oktober 2027. JTL unterstützt SQL-Versionen nicht über das Microsoft-Supportende hinaus, damit gilt dieses Datum auch für Ihre Wawi-Installation.
Reicht die kostenlose SQL Server Express Edition für JTL-Wawi 2.x?
Für viele kleine Händler ja. Bis SQL Server 2022 liegt die Grenze bei 10 GB pro Datenbank, bei SQL Server 2025 Express bei 50 GB. Wer nahe an 10 GB ist, sollte beim Wechsel auf 2025 Express oder eine Standard Edition gehen.
Wann ist der beste Zeitpunkt für das Update?
Außerhalb der umsatzstarken Wochen, für die meisten Onlinehändler also nicht im November und Dezember. Planen Sie einen Test auf einer Datenbankkopie ein und führen Sie das produktive Update an einem Tag mit wenig Bestellungen durch.
Quellen
- JTL-Software: JTL-Guide „Unterstützte Produktversionen“, guide.jtl-software.com/unterstuetzte-produktversionen/ (Stand 06.10.2026)
- JTL-Software: JTL-Guide „JTL-Wawi aktualisieren“, guide.jtl-software.com/jtl-wawi/installation/jtl-wawi-aktualisieren/ (Stand 15.09.2026)
- JTL-Forum: Release-Thread JTL-Wawi 2.1 Stable Release (eröffnet 14.09.2026)
- Microsoft Learn: Lifecycle SQL Server 2016 (Extended End Date 15.07.2026, ESU-Jahr 1 bis 13.07.2027), abgerufen 27.10.2026
- Microsoft Learn: Editions and supported features of SQL Server 2022 und SQL Server 2025 (Express-Grenzen 10 GB bzw. 50 GB), abgerufen 27.10.2026
Beitragsbild: panumas nikhomkhai / Pexels


