ERP-Update-Zyklen: Wann sich ein Release-Wechsel lohnt

ERP-Systeme werden in der Regel alle 12 bis 24 Monate mit einem neuen Release aktualisiert, bei Cloud-ERP oft sogar halbjährlich. Ein vollständiger Release-Wechsel mit spürbarem Funktionsumfang steht bei den meisten Anbietern alle zwei bis drei Jahre an. Pflicht wird ein Wechsel spätestens dann, wenn der Hersteller die Wartung für die aktuell genutzte Version einstellt – wie bei SAP ECC, wo die reguläre Wartung Ende 2027 ausläuft.

  • Der durchschnittliche Lebenszyklus eines ERP-Systems liegt bei rund 13 Jahren, doch Releases erscheinen deutlich häufiger als das System komplett gewechselt wird.
  • Bei etwa der Hälfte aller ERP-Installationen ist der genutzte Release-Stand unter einem Jahr alt, bei über 30 % dagegen drei Jahre oder älter.
  • Ein Wartungsvertrag kostet marktüblich 12 bis 25 % der Lizenzpreise pro Jahr, größere Modernisierungen sollten alle fünf Jahre mit rund einem Drittel der ursprünglichen Anschaffungskosten budgetiert werden.
  • Individuelle Anpassungen sind der häufigste Grund, warum Unternehmen einen fälligen Release-Wechsel verschieben oder ganz auslassen.
  • Feste Fristen wie das SAP-Wartungsende 2027 zwingen einen Teil der Unternehmen zum Handeln, unabhängig vom eigentlichen Update-Bedarf.

Was ein ERP-Update-Zyklus eigentlich ist

Ein Update-Zyklus beschreibt den zeitlichen Abstand, in dem ein ERP-Hersteller neue Versionen seiner Software bereitstellt – von kleinen Patches über Feature-Updates bis zum vollständigen Release-Wechsel. Bei Cloud-ERP übernimmt der Anbieter die technische Aktualisierung meist automatisch im Hintergrund, bei On-Premise-Installationen entscheidet das Unternehmen selbst, wann ein Update eingespielt wird. Diese Entscheidung ist keine rein technische Frage: Jeder Release-Wechsel bedeutet Testaufwand, möglicherweise Schulungsbedarf und bei individualisierten Systemen einen Abgleich der eigenen Anpassungen mit dem neuen Stand.

Wie häufig ERP-Systeme tatsächlich aktualisiert werden

Laut der Trovarit-Studie „ERP in der Praxis“ liegt der durchschnittliche Lebenszyklus eines ERP-Systems bei rund 13 Jahren – so lange bleiben Unternehmen im Schnitt bei ein und derselben Lösung. Innerhalb dieser Zeit erscheinen aber deutlich mehr Releases, als tatsächlich eingespielt werden: Bei etwa 50 % der Installationen ist der genutzte Release-Stand unter einem Jahr alt, bei über 30 % beträgt das Alter drei Jahre oder mehr. Kleinere Unternehmen sind dabei tendenziell aktueller (rund 62 % mit Release-Alter unter einem Jahr) als größere (rund 38 %), und Dienstleistungsunternehmen aktualisieren häufiger (rund 72 %) als Industriebetriebe (rund 44 %). Public-Cloud-ERP folgt in der Regel einem festen halbjährlichen Update-Rhythmus mit nur begrenztem Spielraum, einzelne Zyklen zu überspringen.

Warum Unternehmen fällige Updates aufschieben

Der Hauptgrund für verschobene Release-Wechsel ist laut Trovarit der Individualisierungsgrad eines Systems: Je stärker ein ERP an unternehmensspezifische Prozesse angepasst wurde, desto aufwendiger ist es, diese Anpassungen auf den neuen Release-Stand zu übertragen. Erscheint der Migrationsaufwand unverhältnismäßig hoch im Vergleich zum Nutzen des Updates, verzichten viele Unternehmen ganz auf die Modernisierung und bleiben auf einem älteren, aber vertrauten Stand. Das birgt jedoch Risiken: Ältere Releases erhalten irgendwann keine Schnittstellen-Updates mehr und fallen aus dem regulären Support, was gesetzliche Anpassungen (etwa im Steuerrecht) und Sicherheitsupdates betrifft.

Wenn der Update-Zyklus zur Pflicht wird: das SAP-Beispiel

Wie feste Fristen einen Wechsel erzwingen können, zeigt SAP: Die reguläre Wartung für die heute meistgenutzten ECC-Versionsstände endet zum 31. Dezember 2027, ältere Stände sind bereits Ende 2025 aus der Wartung gefallen. Wer länger auf dem bestehenden System bleiben will, kann bis zum 31. Dezember 2030 eine kostenpflichtige verlängerte Wartung gegen einen Aufpreis von 2 Prozentpunkten auf die jährliche Wartungsgebühr buchen. Nach aktuellem Planungsstand haben rund 37 % der Unternehmen einen Umstieg auf den Nachfolger SAP S/4HANA bis Ende 2027 fest eingeplant; die individualisierte Migration dauert dabei je nach Umfang typischerweise 12 bis 24 Monate, mit Standardpaketen lässt sich der Prozess in Einzelfällen auf rund 3 Monate verkürzen. Auch wenn dieses konkrete Datum nur SAP-Kunden betrifft, zeigt es ein allgemeines Muster: Wartungsfristen der Hersteller setzen den tatsächlichen Zeitpunkt für einen ERP-Wechsel oft konkreter fest als die eigene Update-Planung.

Was ein Release-Wechsel kostet

Laufende Wartungsverträge sind bei rund 90 % der ERP-Anwender die Basis für Updates und kosten marktüblich zwischen 12 und 25 % der ursprünglichen Lizenzpreise pro Jahr. Bei kleineren Installationen (5 bis 25 Nutzer) liegen die jährlichen Wartungsgebühren bei rund 600 Euro pro Arbeitsplatz, bei größeren Installationen (300 bis 1.000 Nutzer) sinkt der Betrag auf etwa 370 Euro pro Arbeitsplatz und Jahr. Für umfassendere Modernisierungen – also einen Release-Wechsel, der über reine Patches hinausgeht – wird empfohlen, alle fünf Jahre zusätzlich rund ein Drittel der ursprünglichen Anschaffungskosten einzuplanen, da der Projektaufwand einer größeren Modernisierung dem einer Neueinführung nahekommen kann, auch wenn die reinen Lizenzkosten meist niedriger ausfallen. Eine genaue Kalkulation für das eigene Projekt lässt sich mit dem ERP-Finder grob einordnen, für die laufenden Betriebskosten sollten Mittelständler zusätzlich rund 1,5 Vollzeitstellen für die Systemadministration berücksichtigen.

Wie sich Unternehmen auf Update-Zyklen vorbereiten

Wer Release-Wechsel nicht dem Zufall überlassen will, sollte den Individualisierungsgrad des eigenen Systems im Blick behalten und größere Eigenentwicklungen möglichst über Standardschnittstellen statt über tiefe Codeanpassungen lösen – das reduziert den Migrationsaufwand bei jedem künftigen Update spürbar. Ein Lastenheft für größere Modernisierungsprojekte hilft, den tatsächlichen Umfang eines anstehenden Wechsels realistisch einzuschätzen, bevor ein Angebot eingeholt wird. Und da Wartungsfristen wie im SAP-Beispiel oft Jahre im Voraus bekannt sind, lohnt sich ein regelmäßiger Blick in die Roadmap des eigenen Anbieters – idealerweise bevor der Wechsel unter Zeitdruck erzwungen wird. Einen Überblick über Anbieter und ihre Update-Praxis bietet das Anbieter-Verzeichnis, Begriffe rund um Wartung und Releases erklärt das Glossar.

Häufige Fragen zu ERP-Update-Zyklen

Wie oft sollte man ein ERP-System aktualisieren?
Kleinere Patches und Sicherheitsupdates sollten laufend eingespielt werden, sobald sie verfügbar sind. Ein vollständiger Release-Wechsel mit neuem Funktionsumfang steht bei den meisten Anbietern alle zwei bis drei Jahre an, bei Cloud-ERP folgen Funktionsupdates häufig einem festen halbjährlichen Rhythmus.

Was passiert, wenn ich ein Update-Release überspringe?
Bei On-Premise-Systemen ist das grundsätzlich möglich, solange der Hersteller noch Support für den genutzten Stand bietet. Je länger ein Release-Wechsel aufgeschoben wird, desto größer wird jedoch typischerweise der Migrationsaufwand, weil sich mehrere Versionssprünge und individuelle Anpassungen aufsummieren.

Was kostet ein Release-Wechsel im Vergleich zu laufenden Updates?
Laufende Wartung kostet marktüblich 12 bis 25 % der Lizenzpreise pro Jahr. Für größere Modernisierungen, die über reine Wartung hinausgehen, wird zusätzlich empfohlen, alle fünf Jahre etwa ein Drittel der ursprünglichen Anschaffungskosten einzuplanen, da der Aufwand in die Nähe einer Neueinführung rücken kann.

Zwingt mich mein ERP-Anbieter zu einem Update?
Direkt zwingen kann kein Anbieter, faktisch aber schon: Läuft die reguläre Wartung für eine Version aus – wie bei SAP ECC zum 31. Dezember 2027 –, entfallen Sicherheitsupdates und gesetzliche Anpassungen. Spätestens dann wird ein Wechsel notwendig, auch wenn eine kostenpflichtige verlängerte Wartung den Zeitpunkt oft um einige Jahre hinausschieben kann.

Sind Cloud-ERP-Systeme von diesem Thema betroffen?
Ja, allerdings anders: Bei Public-Cloud-ERP übernimmt der Anbieter die technischen Updates automatisch, meist halbjährlich, sodass kein manueller Release-Wechsel ansteht. Der Spielraum, einzelne Updates zu überspringen, ist dabei aber deutlich kleiner als bei On-Premise-Systemen.

Meine Einschätzung: Der planbare Teil von ERP-Update-Zyklen – regelmäßige Patches, Wartungsverträge, ein Release-Wechsel alle paar Jahre – lässt sich mit realistischem Budget gut steuern. Schwieriger wird es, wenn individuelle Anpassungen den Migrationsaufwand so weit hochtreiben, dass Unternehmen lieber gar nicht aktualisieren. Genau das ist keine Randerscheinung, sondern laut den vorliegenden Zahlen bei einem relevanten Teil der Installationen der Fall. Wer das vermeiden will, sollte Eigenentwicklungen von Anfang an so bauen, dass sie ein künftiges Update überstehen, statt es zu erschweren.

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