Retourenmanagement im ERP bündelt Rücksendungen, Bestandskorrektur, Qualitätsprüfung und Gutschrift in einem durchgängigen Prozess, der direkt im Warenwirtschaftssystem abgebildet wird. Fehlt die Anbindung an das ERP, entstehen Bestandsdifferenzen, doppelte Buchungen und verzögerte Rückerstattungen an Kunden.
Was ist Retourenmanagement im Warenwirtschaftssystem?
Retourenmanagement im Warenwirtschaftssystem ist der ERP-gestützte Prozess, der eine Rücksendung von der Anmeldung über die Prüfung bis zur Bestandsbuchung und Gutschrift lückenlos abbildet. Zentrales Element ist die RMA-Nummer (Return Merchandise Authorization): eine eindeutige Kennung, die die zurückgesendete Ware dem ursprünglichen Auftrag zuordnet und im ERP als Referenz für alle Folgebuchungen dient.
Ohne ERP-Anbindung läuft die Rückabwicklung häufig über Excel-Listen oder E-Mail-Verkehr zwischen Kundenservice und Lager. Das führt zu doppelt erfassten Retouren, falschen Lagerbeständen und Gutschriften, die nicht mit der Buchhaltung abgeglichen sind. Ein ins ERP integrierter Retourenprozess verknüpft Auftrag, Lagerbuchung, Qualitätsprüfung und Zahlungsabwicklung in einem System.
Wie läuft der Retourenprozess im ERP ab?
Der ERP-gestützte Retourenprozess folgt typischerweise vier Stufen: RMA-Erstellung, Wareneingang mit Prüfung, Bestandsentscheidung und Gutschrift beziehungsweise Umtausch. Jede Stufe erzeugt eine Buchung, die im Warenwirtschaftssystem nachvollziehbar bleibt.
Diese 4-Stufen-RMA-Route läuft im Detail so ab: Erstens meldet der Kunde die Retoure an, das ERP erzeugt eine RMA-Nummer und reserviert den Vorgang. Zweitens erfasst das Lager den Wareneingang und scannt die RMA-Nummer, wodurch die Retoure automatisch dem Originalauftrag zugeordnet wird. Drittens prüft das Lagerpersonal den Zustand der Ware und entscheidet über Wiedereinlagerung, Abwertung oder Verschrottung – diese Entscheidung bucht das ERP direkt in den Lagerbestand. Viertens löst das System je nach Ergebnis eine Gutschrift, eine Ersatzlieferung oder eine Reparaturbuchung aus und informiert die Buchhaltung automatisch.
Ohne diese Verzahnung muss jede Stufe manuell zwischen Kundenservice, Lager und Buchhaltung abgestimmt werden. Das kostet Zeit und erhöht die Fehlerquote bei der Bestandsführung.
Wie hoch ist die Retourenquote im deutschen Online-Handel?
Die artikelbezogene Retourenquote liegt im Durchschnitt aller Produktkategorien bei rund 20 Prozent, im Modehandel dagegen bei rund 40 Prozent und bei besonders modischen Artikeln bei bis zu 70 bis 80 Prozent. Das zeigt das bevh-Retourenkompendium (2. Auflage, Datengrundlage 2018–2022, herausgegeben von Prof. Dr. Gerrit Heinemann).
Eine Retourenquote ist das Verhältnis zurückgesendeter Artikel oder Pakete zur Gesamtzahl der verkauften Einheiten in einem Zeitraum. Man unterscheidet die artikelbezogene Quote (Anteil retournierter Artikel) von der paketbezogenen Quote (Anteil der Bestellungen, bei denen mindestens ein Artikel zurückkommt) – Letztere liegt laut demselben Kompendium bei rund 24,2 Prozent (Stand 2021). Für Betreiber eines Warenwirtschaftssystems für den Online-Handel ist die Quote die Kennzahl, an der sich der ERP-seitige Aufwand für Retourenbuchungen bemisst.
Für das Jahr 2018 dokumentiert das Kompendium bundesweit rund 280 Millionen zurückgeschickte Pakete mit 487 Millionen Artikeln und Gesamtkosten von über 5,46 Milliarden Euro für den deutschen Online-Handel.
Was kostet eine Retoure im Schnitt?
Die Bearbeitungskosten pro retourniertem Artikel liegen laut bevh-Retourenkompendium branchenabhängig zwischen 5 Euro im Modehandel und 15 Euro in den Bereichen Elektronik und Baumarkt/DIY, im Durchschnitt bei rund 10 Euro. Aktuellere Zahlen der EHI-Studie „Versand-, Verpackungs- und Retourenmanagement im E-Commerce 2025“ (Erhebung Sommer 2025, 124 Onlinehändler im deutschsprachigen Raum) zeigen: 53,3 Prozent der befragten Händler beziffern ihre Kosten pro Retoure auf bis zu 10 Euro, 13,9 Prozent auf bis zu 20 Euro, und 27 Prozent können die Kosten nicht konkret angeben.
Zu den reinen Bearbeitungskosten kommt der Wertverlust der Ware durch Prüfung, Verpackungsschäden oder fehlende Wiederverkaufsfähigkeit hinzu – das bevh-Kompendium beziffert ihn im Schnitt auf 13,1 Prozent des Warenwerts, woraus sich ein Gesamtkostenwert von rund 15,18 Euro pro Retoure ergibt. Ein ERP, das Retouren automatisch verbucht statt manuell nachzuerfassen, senkt vor allem die Bearbeitungszeit pro Vorgang – wie stark, hängt von Automatisierungsgrad und Fallzahl ab; belastbare, ERP-spezifische Einsparwerte sind öffentlich nicht verfügbar (keine Angabe).
Welche ERP-Funktionen sind für Retourenmanagement nötig?
Ein Warenwirtschaftssystem braucht für Retourenmanagement mindestens fünf Funktionsbausteine: RMA-Verwaltung, automatische Bestandsrückbuchung, Qualitätsprüfungs-Workflow, Gutschriften-/Zahlungsanbindung und Retourengrund-Erfassung für Auswertungen.
Die Retourengrund-Erfassung verdient dabei besondere Aufmerksamkeit: Sie ordnet jeder Rücksendung einen strukturierten Grund zu, etwa „passt nicht“, „beschädigt“ oder „falsch geliefert“. Diese Daten fließen ins Reporting und zeigen, ob Retouren durch bessere Produktbeschreibungen, veränderte Verpackung oder Lieferprozess-Korrekturen vermeidbar sind. Ohne strukturierte Erfassung bleiben Retourengründe Freitext und damit für Auswertungen unbrauchbar.
Welche Anbieter diese Funktionen in welcher Tiefe abdecken, unterscheidet sich je nach System und Branche; einen Überblick über Warenwirtschaftssysteme mit Retouren-Funktionalität bietet das Anbieter-Verzeichnis.
Wie lässt sich der Retourenprozess automatisieren?
Automatisierung im Retourenmanagement bedeutet, dass RMA-Erstellung, Bestandsbuchung und Gutschrift ohne manuelle Zwischenschritte ablaufen, sobald ein Kunde die Retoure über ein Self-Service-Portal anmeldet. Laut EHI-Studie 2025 setzen 7,3 Prozent der befragten Händler künstliche Intelligenz im Retourenmanagement bereits ein, 12,2 Prozent prüfen den Einsatz, und 45,5 Prozent halten KI-Unterstützung zukünftig für relevant.
Ein typisches Automatisierungs-Setup verknüpft ein Retourenportal für Kunden, das ERP für Bestands- und Gutschriftbuchung sowie gegebenenfalls ein Bilderkennungs-Tool zur Zustandsprüfung eingehender Ware. Die Bearbeitungsdauer sinkt dadurch nachweisbar: 43,4 Prozent der EHI-befragten Händler schaffen die Bearbeitung inzwischen in 1 bis 2 Tagen, knapp 10 Prozent sogar in unter 24 Stunden.
Welche Schnittstellen spielen beim Retourenmanagement eine Rolle?
Retourenmanagement berührt vor allem drei Schnittstellenarten: die Anbindung an Marktplätze, an Versanddienstleister und an das Zahlungssystem für Rückerstattungen. Verkauft ein Händler zusätzlich über Amazon oder eBay, muss das ERP Retouren aus beiden Kanälen konsolidiert verbuchen – Details dazu in Marktplatz-Anbindung im ERP: Amazon, eBay & Co..
Bei Retouren im B2B-Geschäft mit Großhändlern läuft die Rückmeldung häufig über strukturierte EDI-Nachrichten statt über ein Kundenportal – der Beitrag EDI-Anbindung an Lieferanten und Großhändler im ERP beschreibt diesen Kanal im Detail. Einen Überblick über alle Schnittstellenarten liefert die Kategorie Schnittstellen & Integration.
Retourenmanagement wird in vielen ERP-Auswahlprozessen erst spät berücksichtigt, obwohl die laufenden Bearbeitungskosten von rund 10 bis 15 Euro pro Artikel über Jahre gerechnet oft höher ausfallen als die einmaligen Implementierungskosten des RMA-Moduls. Wer ein Warenwirtschaftssystem einführt oder wechselt, sollte die RMA-Funktionalität deshalb genauso prüfen wie Lager- und Rechnungsmodule – nicht als Nachgedanke, sondern als eigenen Punkt im Lastenheft.
- Die artikelbezogene Retourenquote liegt im Schnitt bei rund 20 Prozent, im Modehandel bei rund 40 Prozent (bevh-Retourenkompendium, Datengrundlage 2018–2022).
- Bearbeitungskosten pro Retoure liegen branchenabhängig zwischen 5 und 15 Euro, im Durchschnitt bei rund 10 Euro zuzüglich Wertverlust der Ware.
- 53,3 Prozent der Händler geben laut EHI-Studie 2025 Kosten von bis zu 10 Euro pro Retoure an, 27 Prozent können die Kosten nicht beziffern.
- Der ERP-gestützte Retourenprozess läuft in vier Stufen: RMA-Erstellung, Wareneingang mit Prüfung, Bestandsentscheidung, Gutschrift oder Ersatzlieferung.
- 7,3 Prozent der Händler setzen laut EHI-Studie 2025 bereits KI im Retourenmanagement ein, 12,2 Prozent prüfen den Einsatz.
- Belastbare, ERP-spezifische Zahlen zur Zeitersparnis durch Automatisierung sind öffentlich nicht verfügbar (keine Angabe).
Häufige Fragen zum Retourenmanagement im ERP
Was bedeutet RMA im Warenwirtschaftssystem?
RMA steht für Return Merchandise Authorization und bezeichnet die eindeutige Kennnummer, die eine Rücksendung im ERP dem ursprünglichen Auftrag zuordnet. Sie ist die Referenz für alle Folgebuchungen bei Bestand, Gutschrift und Reporting.
Braucht jedes ERP ein eigenes Retourenmodul?
Nicht zwingend als separates Modul, aber die Kernfunktionen RMA-Verwaltung, Bestandsrückbuchung und Gutschriftanbindung müssen im ERP oder über eine Schnittstelle abgebildet sein. Ohne diese Funktionen entstehen manuelle Zwischenschritte und Bestandsdifferenzen.
Wie hängen Retourenquote und ERP-Aufwand zusammen?
Je höher die Retourenquote einer Branche, desto mehr Buchungsvorgänge muss das ERP pro Zeiteinheit verarbeiten. Modehändler mit rund 40 Prozent Retourenquote benötigen deshalb einen deutlich robusteren Retourenprozess als etwa Baumarktsortimente mit niedrigeren Quoten.
Was kostet ein Retourenmanagement-Modul im ERP?
Öffentlich belegbare, allgemeingültige Preise für Retourenmanagement-Module liegen nicht vor, da die Kosten stark vom gewählten ERP-System, dem Lizenzmodell und dem Integrationsaufwand abhängen (keine Angabe). Einen Überblick über Lizenzmodelle liefert die Kategorie Kosten & Lizenzmodelle.
Wo finde ich Fachbegriffe rund um Retourenmanagement erklärt?
Begriffe wie RMA, Retourenquote oder Wareneingangsprüfung sind im Glossar dieser Seite kurz und einheitlich definiert.
Quellen und weiterführende Literatur
bevh.org – Retourenkompendium (2. Auflage, Hrsg. Prof. Dr. Gerrit Heinemann), Datengrundlage 2018–2022 zu Retourenquoten und volkswirtschaftlichen Gesamtkosten.
ehi.org – Pressemitteilung zur Studie „Versand-, Verpackungs- und Retourenmanagement im E-Commerce 2025“, Erhebung Sommer 2025 unter 124 Onlinehändlern im deutschsprachigen Raum.
handelsdaten.de – Aufbereitung der EHI-Studiendaten zu Retourenkosten und Bearbeitungsdauer.


